04.–13.04.2025
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01/04 – 12:00

Focus – Taiwan

Auch in seiner 38. Ausgabe setzt das BOLZANO FILM FESTIVAL BOZEN einen geografischen Schwerpunkt und widmet eine Sektion dem zeitgenössischen taiwanesischen Kino, das in den letzten Jahrzehnten international große Anerkennung gefunden hat und eine bedeutende Rolle in der Welt des Films spielt. FOCUS – Taiwan wird gemeinsam von Stefano Centini, Taiwanesisch-italienischer Produzent und Regisseur mit Basis in Taipeh und Rom, und Festivaldirektor Vincenzo Bugno kuratiert. Die Realisierung der Sektion wird durch den Beitrag des Kulturministeriums von Taiwan und der Vertretung Taipeis in Italien (Ufficio di Rappresentanza di Taipei in Italia) ermöglicht.

"Es schien mir fast ein Muss," erklärt Vincenzo Bugno "der Filmkunst Taiwans einen großen Teil des Festivals zu widmen, was absolut im Einklang mit der künstlerischen und politisch-kulturellen Identität des BFFB steht. Taiwan als Kaleidoskop der chinesischen Einwanderungen, die sich im Laufe der Zeit abgewechselt haben, als „Schmelztiegel“ von Sprachuniversen unterschiedlicher Herkunft, von indigenen Völkern, als Laboratorium der demokratischen und identitären Entwicklung. Auch ein Grenzstaat par excellence, wo eine bedrohliche Unsicherheit Teil des Alltags geworden ist. Eine Schmiede der avancierten Filmkultur, geschaffen von Regisseur*innen, die mich seit meinen ersten Festivalbesuchen fasziniert haben ... Ich bin überzeugt, dass es notwendig ist, sie auch über die uns besser bekannten Namen hinaus, sichtbarer zu machen."

Taiwan, eine Insel mit einer bewegten politischen und kulturellen Geschichte, hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Herrschaften erlebt – von den kolonialen Mächten Portugal und den Niederlanden bis zur japanischen Besetzung. Das Land hat im Laufe der Jahrzehnte eine politische Form angenommen, die sich zu einer repräsentativen Demokratie entwickelt hat, nicht zuletzt dank der zahlreichen identitätspolitischen Auseinandersetzungen, die die Entwicklung dessen, was es bedeutet, Taiwaner zu sein, in der Bevölkerung geprägt haben. In dieser Sektion präsentiert das BFFB sieben Werke, die die komplexe Identitätsbildung und den gesellschaftlichen Wandel auf der Insel widerspiegeln.

Die von Stefano Centini und Vincenzo Bugno kuratierte Filmauswahl spiegelt die Vielfalt der Stile, die Tiefgründigkeit der Themen und die innovativen Erzählweisen des taiwanesischen Kinos wider. In Goodbye, Dragon Inn nutzt der sino-malaysische Regisseur Tsai Ming-Liang das Kino und Wuxia-Filme als Metapher für den Verlust der kulturellen Identität Taiwans, während er in Days die Beziehungen zwischen Taiwan und Südostasien vertieft. Soziale Unterschiede stehen im Mittelpunkt von Old Fox von Hsiao Ya-Chuan, das den schwierigen Aufstieg in der wirtschaftlichen Boomphase Taipeis zeigt. Mit Fokus auf indigene Identität erzählt Laha Mebow in Gaga von den Herausforderungen eines indigenen Dorfes im Zuge politischer und gesellschaftlicher Veränderungen in Taiwan. In seinem Dokumentarfilm And Miles to Go Before I Sleep thematisiert Tsai Tsung-Lung die Migrationsrealität Taiwans und die Herausforderungen für Migranten, indem er den Fall eines vietnamesischen Arbeiters untersucht, der von einem taiwanischen Polizisten getötet wurde. In Mongrel befasst sich Chiang Wei Liang mit den Themen migrantischer Pflegekräfte und der südasiatischen Diaspora in Taiwan. Das Programm endet mit Sguardi nascosti (Stranger Eyes) von Yeo Siew Hua, einem in Singapur gedrehten Film mit taiwanesischer Besetzung, der in einer modernen Neuinterpretation von Rear Window staatliche Überwachung und Entfremdung in der Metropole thematisiert. Produzent Stefano Centini fügt hinzu: "Der Film orientiert sich an der Tradition des taiwanesischen Autorenkinos und hinterfragt die Beziehungen zwischen Individuen in einer Großstadt, in der staatliche Kontrolle durch elektronische Geräte und Gesichtserkennung allgegenwärtig ist. Obwohl der Film in Singapur gedreht wurde, zeigt er, dass das Neue Taiwanesische Kino heute einen bleibenden Einfluss auf die jungen Regisseure des asiatischen Kontinents ausübt, die sich von diesem inspirieren lassen."

Das BFFB38 darf im Fokus Taiwan vier Gäste aus der taiwanischen Filmszene begrüßen: Laha Mebow, Regisseurin von Gaga, Tsai Tsung Lung, Regisseur von And miles before I go to sleep, Lu Yi-Ching, Hauptdarstellerin in Mongrel, sowie Stefano Centini, Co-Kurator des Fokus Taiwan und Produzent von Stranger Eyes. Neben Filmvorführungen werden die Gäste auch an Diskussionsrunden und Q&A-Sessions teilnehmen, um ihre Werke und die aktuellen Entwicklungen des taiwanischen Kinos mit dem Publikum zu teilen.

Das Festival wird außerdem eine Sondervorführung von Millennium Mambo (2001) von Hou Hsiao-Hsien zeigen, der für die Goldene Palme nominiert war. Im Rahmen einer Carte Blanche, die L'Immagine Ritrovata, dem Restaurierungslabor der Fondazione Cineteca di Bologna, gewidmet ist, wird der Film in seiner restaurierten Fassung gezeigt. Dieser Film mit großer visueller Wirkung erzählt das Leben einer jungen Frau, die zwischen zwei Männern und ihren eigenen Unsicherheiten hin- und hergerissen ist.

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